FAM-ily  

Financial and Actuarial Mathematics  
at Vienna University of Technology, Austria  

 
2007-06-04  Die Presse

Ressort: "Österreich - Uni Live", Seite 7
Autorin: Magdalena Klemun

"Mathematik verstehen: Von Feuerland bis Wladiwostok"

Den grundlegenden Sätzen der Mathematik haftet im Normalfall ein hohes Maß an Kontinuität an: Eine Folgerung, die einmal (korrekt) aus Argumenten geschlossen wurde, lässt sich nur schwer widerlegen. Eine Eigenschaft, die auch die Beziehung des TU-Mathematikers Josef Teichmann zu seinem Fach prägt: "In der Mathematik ist eine Komponente der Zeitlosigkeit enthalten - es gibt wenige andere Bücher, die vor zweieinhalbtausend Jahren geschrieben worden sind, deren Inhalt heute noch stimmt", so der 34-jährige Forscher, der nach seinem Mathematikstudium in Graz, Wien und Besancon (Frankreich), nun für seine Arbeit im Bereich der (Finanz-)Mathematik den hoch dotierten START-Preis (FWF) erhielt und derzeit mit dem Aufbau einer internationalen Forschungsgruppe an der TU Wien beschäftigt ist.

Formeln als Sprache

Teichmanns Forschungsschwerpunkt ist (anders als das oft kolportierte Bild der verstaubten Formel-Mathematik) ein für die Anwendung extrem relevantes: Anhand der "Rauheit" einer Oberfläche, die zum Beispiel durch die Aneinanderreihung von Zins-Kursen entsteht, können Teichmann und seine Kollegen die momentane Situation eines Marktes abbilden, Risiken quantifizieren und in weiterer Folge Strategien entwickeln, um sich gegen diese abzusichern. Mit "Rechnen" hat dies wenig zu tun: "Unsere tägliche Arbeit besteht darin, uns über verschiedene Ansätze auszutauschen, zu diskutieren." Dass die Mathematik als "Lingua Franca" für Menschen mit verschiedenem sprachlichen Hintergrund gleichermaßen zugänglich ist, erleichtere die Arbeit in der internationalen Gruppe: "Man versteht Mathematik von Feuerland bis Wladiwostok."

Um neben der Forschungstätigkeit noch Zeit für seine Familie zu finden, hält sich der Vater von drei Kindern an einen straffen Tagesablauf: "Ich gehe um sechs nach Hause, dafür arbeite ich extrem intensiv." Und wie steht's um die heimische Forschung? Insgesamt sei für junge Wissenschaftler schon mehr Geld vorhanden: "Dass man für eine Dissertation Geld bekommt, war vor zehn Jahren nicht selbstverständlich."