FAM-ily  

Financial and Actuarial Mathematics  
at Vienna University of Technology, Austria  

 
2006-09-20  Die Presse

Ressort: "Forschungstage 2006", Seite XVIII

"Die Dinge sich entwickeln lassen"

Walter Schachermayer, Preisträger 1998, finanzierte Dissertanten.

Ein Patentrezept, wie Forschung exzellent wird, hat er auch nicht. Aber der Wiener Finanzmathematiker Walter Schachermayer kennt viele "Patent-Gegenrezepte", wie man Exzellenz verhindern kann. Etwa, wenn man zu viel hineinredet. "Man soll die Dinge sich entwickeln lassen", sagt er zur "Presse". Dass Schachermayer selbst exzellent arbeitet, hat er quasi amtlich verbrieft: Er wurde 1998 mit dem Wittgensteinpreis ausgezeichnet.

Das Preisgeld von damals 15 Millionen Schilling (1,1 Mio. Euro) gab ihm auch die Möglichkeit, ziemlich frei zu sein. Konkret hat er das Geld vorwiegend in Dissertanten investiert. "17 oder 18 Pre- und Post-Docs - ich weiß es nicht mehr genau - habe ich damit finanziert", erinnert er sich. Und worauf er stolz ist: "Alle haben nachher eine unbefristete Anstellung gefunden." Nachsatz: "Fast alle außerhalb Österreichs." Womit jedenfalls bewiesen wäre, dass Mathematik keine brotlose Angelegenheit ist.

Getreu dem Motto des Mathematikers David Hilbert - dass man eine mathematische Theorie erst dann wirklich verstanden hat, wenn man sie dem Mann auf der Straße verständlich machen kann - scheut er nicht davor zurück, bei der "Erlebniswelt Forschung" morgen, Donnerstag, mit Schülern über sein Gebiet zu diskutieren. Was nicht ganz einfach ist. Denn die Theorien und Modelle, etwa zu optimalem Risiko-Management oder zu "Arbitrage", sind alles andere als trivial.

Das ändert freilich nichts daran, dass die Forschungsergebnisse äußerst releveant sind: Ohne mathematische Modelle etwa zur Preisbildung von Optionen wäre schon so mancher Anleger schneller zum Bankrotteur geworden, als ihm lieb ist.